Donnerstag, 18. September 2008

here we go

Liebe Leser, 
hier ein neuer Bericht nach einiger Zeit. In der Zwischenzeit habe ich einen Job hier in Whangarei gefunden. Ich arbeite als Bedienung in einem "deutschen" Brauhaus. Nach einigen Bemerkungen meiner beiden Eltern ueber meine fehlende Oberweite (vielen Dank auch), muss ich aber doch mal klarstellen, dass ich NICHT in einem Dirndl rumrenne und riesige Glaeser trage, denn auch hier ist Deutschland nicht gleich Bayern. Der Besitzer des Brauhauses ist Bremer und er betreibt eine nette Bar, die eben auch ihr eigenes Bier braut. Ausser dem Namen (Brauhaus Frings) und dem Besitzer erinnert jedoch nicht viel an Deutschland. Der Manager (Darren) ist Maori, der seine gesamte Verwandschaft entweder eingestellt oder jeden Abend in seiner Kneipe hocken hat. Darren selbst ist ein fuelliger dunkler Typ mit gewachsten, schwarzen
Locken. Ein bisschen Poser sind sie alle, die Jungs von Frings, wenn sie dann vor der Kneipe stehen (auch hier ist Rauchverbot), sich gepflegt unterhalten und ein Bier nach dem anderen Kippen, waehrend wir Maedels unter ihren wachsamen Augen herumrennen und Bier verkaufen. Trotzdem herrscht eine nette Atmosphaere, fast jeder ist Stammgast und man kennt sich. Meine Einarbeitung in die Gastronomie lief so ab: ich kam rein, bekam ein T-Shirt, eine Bauchtasche mit Wechselgeld (A: Hilfe, ich muss Kopfrechnen, B: Ich muss von der Vorstellung runterkommen, Bauchtaschen tragen nur Nutten), sowie eine kleine Karte mit den Bierpreisen in die Hand gedrueckt. Das war's. Fuer jedes bisschen Information muss ich eine gestresste Kellnerin fragen und hoffen, dass sie Zeit fuer eine Antwort hat. Aber gut, so laeuft das hier anscheinend. Ueberarbeitet habe ich mich aber trotzdem noch nicht, es ist doch ziemlich entspannt hier und schliesslich arbeite ich nicht taeglich und mache den Rest der Zeit Urlaub.
Neben meinem neuen Job bin ich nun als Freiwillige im Department of Conservation eingetragen, d.h. ich kann verschiedene interessante Jobs machen, fuer die ich aber kein Geld bekomme. Fast wie zu Hause also. Letzte Woche war ich einen Tag mit Martin auf seiner Arbeit. Wir sind in rasender Geschwindigkeit mit einem Schlauchboot mit Motor durch die Gegend gefahren (ich bin auch gefahren!) und haben aufgepasst dass in seinem "Marine Reserve" niemand fischt. Zum Glueck war niemand da, die Kontrolleurrolle wuerde mir nicht so gut gefallen.
Am Wochenende habe ich einen Ausflug zur Bay of Island gemacht, einer Bucht mit vielen kleinen Inseln, die etwa 1,5 Stunden Busfahrt von hier entfernt liegt und wegen ihrer Schoenheit ein beliebtes Reiseziel ist. Ich war in einem Hostel mit vielen sehr jungen Leuten (bin ich zu alt fuer Neuseeland?), die viel Geld fuer die zahlreichen dort angebotenen Ausfluege und Aktivitaeten ausgegeben haben, wie etwa Sky Diving, die Swim-with-the-Dolphins-Cruising-Tour, Sailing oder sonstiges. Ich hab mich so unter Drucke gefuehlt irgendwas anderes zu machen als meine geplanten Wandertouren, dass ich fuer 90 NZD (etwa 45Eur) eine 2-std. Reittour gemacht habe, die ganz schoen war, aber wegen der vielen Anfaenger etwas zu lahm fuer meinen Geschmack. Von der hochgepriesenen Landschaft war ich etwas entaeuscht. Es war schoen, aber nicht so umwerfend wie ich erwartet hatte. Da habe ich hier in der Ecke schoenere Ecken gesehen. Abends wurde dann in der Hostelbar das grosse Rugby-Spiel gegen Australien geschaut (Rugby ist gross hier, ein Thema, von dem ich wann anders erzaehle) und Jaegermeister durch die Nase getrunken. Ein Riesenspass. Das netteste Mensch, den ich auf dem Ausflug kennengelernt habe, war wohl die 6jaehrige Tochter der Hostel-Putzfrau, mit der ich ein paar Stunden Zeit verbracht habe. Sie hat gerade Lesen gelernt und wir haben ein paar Buecher zusammen angeschaut und erzaehlt.
Am Sonntag bin ich dann wieder zurueck gefahren, weil mir von meinem Gastgeber eine mehrtaegige Segeltour auf der Sea Wanderer, unserer derzeitigen Behausung, versprochen wurde. Martin hat sie vor etwa 2 Monaten gekauft und bisher nur bewohnt, aber noch nie von ihrem Platz bewegt. Am Montag legten wir dann auch einigermassen puenktlich ab, um mit der Flut den Hafen verlassen zu koennen. Nach etwa 1 Stunde Fahrt mit Motorantrieb, entschieden wir die Segel hochzuziehen, was sich aber als einigermassen kompliziertes Unterfangen erwies, da uns beiden das Boot noch fremd war. Waehrend wir dann beide an dem Segel herumfuchtelten, erfuehr ich dann auch dass Martin bisher nicht viel mit Segeln zu tun hatte. Ploetzlich blieben wir mitten auf dem Kanal stehen und mussten feststellen, dass wir auf eine Sandbank aufgelaufen waren. Einige Versuche mit dem Rueckwaertsgang wieder herunterzukommen blieben erfolglos. Nach einiger Zeit kam ein altes Fischerboot vorbei und bot uns per Ferngeschrei an, uns herauszuziehen. Martin ruderte im Beiboot zu ihnen herueber und lies sich ein langes Drahtseil reichen, was aber leider gerade eben nicht lang genug war. So ruderte er verzweifelt etwa 5-10 Meter von unserem Boot entfernt und rief mir immer wieder zu, dass ich ein anderes Seil rueberwerfen sollte. Ich versuchte es, aber entweder war das Seil zu kurz oder meine Wurfskills zu bescheiden- es gelang mir nicht. Gleichzeitig kam die Ebbe, das Wasser verschwand und das Boot neigte sich immer weiter zur Seite. Ich hatte das Gefuehl wir kippen gleich um, war allein auf dem Boot, hatte mit dem Seilwerfen versagt und fuehlte mich ziemlich miserabel.. Die Fischer und Martin gaben irgendwann auf und beschlossen, dass wir auf die naechste Flut warten muessten. Das taten wir dann auch. Es wurde ueberraschenderweise ein sehr angenehmer Nachmittag. Wir sassen auf dem Deck unseres gestrandeten, ca. 75 Grad geneigten Bootes, die Sonne schien und tranken Rotwein, knabberten Kekse und lasen uns gegenseitig aus einem Seemansroman vor. Ab und zu kam ein Motorboot vorbei, dessen Besatzung wir dann unser peinliches Missgeschick berichten mussten. Unter Deck gehen war eine grosse Kletteraktion bei der man sich wie im Raumschiff fuehlte. Zum Glueck hatten wir vorher alles gut verstaut, so dass nichts kaputt gegangen ist. Gegen 16:30uhr kam das Wasser wieder, das Boot erhob sich wieder und wir konnten weiter. Es reichte gerade noch um in die naechste Bucht zu kommen und Anker zu legen, bevor es dunkel wurde. Dort haben wir dann den Sonnenuntergang bewundert und tatsaechlich noch Delfine gesehen. Am naechsten Morgen sollte dann tatsaechlich gesegelt werden. Wir setzten die Segel und fuhren los. Leider hatten wir so gut wie keinen Wind und dafuer ziemlich hohe Wellen, so dass wir ziemlich durchgeschaukelt wurden. Nach einiger Zeit war uns beiden schlecht und wir beschlossen zurueck zu fahren, an Land zu rudern uns spazieren zu gehen. Abends fragten wir uns beide, ob wir wirklich noch von der Idee begeistert sind per Segelboot die Welt zu bereisen (Martin hat sich fuer diesen Zweck das Boot gekauft und moechte naechstes Jahr im Mai/Juni losfahren). Aufgeben will er den Plan aber noch nicht und bis dahin machen wir noch ein paar Trips, um die Segelliebe zu testen.
Jetzt bin ich zurueck in Whangarei und mache einen faulen Tag, da das Wetter wieder schlechter ist. Morgen moechte ich mal zu einem Stall fahren, die Hippo Therapie (Theraphie fuer behinderte Kinder auf Pferden) anbieten und immer freiwillige Helfer suchen.
Ihr hoert dann von mir :)

Von Neues aus dem Paradies

Samstag, 13. September 2008

so much to tell

Hallohallo, schon wieder so viel Zeit vergangen und ich hab so viel zu erzaehlen. Leider versuche ich das in einem Hostel waehrend hinter mir eine amerikanische Fernsehserie mit Will Smith in einer Wahnsinnslautstaerke laeuft und meine Internetzeit in 5 Minuten ablaeuft... Klappt nicht so gut. ABER: mir geht's gut und ich hab ein paar neue Fotos hochgeladen (in das vorherige Album). Meld mich bald ausfuehrlicher!

Donnerstag, 4. September 2008

Hier die Fotos!

Einfach draufklicken, dann kommt ihr zum Album



Von Finally there

Endlich ein Lebenszeichen

Kia Ora liebe Leser (Maori fuer Hallo),

ich schreibe gerade vom Bootshaus in Whangarei, der Empfang ist leider sehr schlecht, ich fliege staendig aus dem Netz.
Die letzten Tage waren sehr aufregend und actionreich. Ich wurde nach einer langen und teilsweise sehr qualvollen Reise (26 Stunden Flug quasi ohne Schlaf- vor allem wegen einem unangenehmen Sitznachbarn) von Martin, meinem Bekannten hier in Neuseeland, abgeholt und nach Whangerei gebracht, einer Stadt im Nordwesten von Neuseeland. Nach meinem Lonely Planet Guide ist dies die groesste Stadt in der Gegend, ihr wuerdet lachen, wenn ihr das seht :)
Nun wohne ich schon seit einigen Tagen mit meinem Host auf einem Segelboot, der "Sea Wanderer". Martin ist Englaender, wir haben uns vor ca. 3,5 Jahren in England kennengelernt und hatten seitdem sporadischen Emailkontakt. Er ist dann vor etwa 2 Jahren hierher ausgewandert und hat mich eingeladen erstmal zu ihm zu kommen wenn ich ankomme. Er arbeitet hier als 'Marine Ranger' fuer das Department of Conservation und passt als eine Art Polizist auf naturgeschuetzte Gewaesser auf.

Wie viele von euch wissen, ist das wohnen auf einem Boot ein grosser Traum von mir! Man ist von Wasser umzingelt, wird von den Wellen leicht in den Schlaf geschaukelt und hat diesen gemuetlichen Camping-Charakter: alles ist immer ein wenig feucht-kalt, sobald man morgens aufwacht, ist man fast im Freien und da es keine grossen Spiegel gibt, macht man sich automatisch wenig Gedanken ueber sein Aeusseres. Auch Duschen habe ich inzwischen auf alle 2-3 Tage verschoben, schwitzen tue ich sowieso kaum ;)
Es gibt hier einige Leute die auf ihren Booten wohnen, sie werden 'boaties' genannt und bilden eine kleine Gemeinschaft. Man gruesst sich, haelt ein Schwaetzchen ueber das Wetter oder fachsimpelt ueber Boote wenn man sich trifft. Ich bin z. Zt. natuerlich Gespraechsthema Nr. 1 in der Nachbarschaft ;) Freundlich und gespraechig sind sie uebrigens hier alle, die 'Kiwis', leider versteh ich sie noch nicht immer, aber das wird sicher nicht lange dauern.
Ein wenig eng ist es doch zu zweit, aber wir verstehen uns gut. Martin hat sich ein wenig Zeit genommen um mir die Gegend zu zeigen. Eigentlich wollten wir mit dem Auto ein paar Tag rumreisen und in Hostels uebernachten, aber dieser Plan ging aus verschiedenen Gruenden bisher nicht auf und wir sind jeden Abend wieder zurueck zum Boot gefahren. Entweder haben wir keine guenstige Unterkunft gefunden, sind zu spaet losgefahren und nicht weit gekommen oder das Auto hat ploetzlich den Gesit aufgegeben und macht seitdem nur noch Aerger.
Obwohl wir uns also kaum von Whangarei wegbewegt haben, habe ich scon einen guten Eindruck von der Landschaft Neuseelands bekommen. Wie ihr euch sicherlich vorstellen koennt (und wie es mir auch immer wieder jeder Neuseelandreisende in bunten Farben geschildert hat), ist die Natur hier Wahnsinn. Obwohl das Wetter nicht immer mitspielt, sind wir den ganzen Tag draussen, sehen uns Straende und Waelder an und ich laufen mit grossen Augen durch die Natur. Neben sanften gruenen Huegeln mit - surprise surprise: Schafen - findet man dramatische Kuestenlandschaften und riesige, einsame Straende...
Aber schaut euch doch einfach die Fotos an.
Ich hab mir uebrigens soeben eine neue SIM-Karte gekauft und bin ab demnaechst unter 0064 21 0329638 zu erreichen.